
Der Blog ”Die Brücke der Freundschaft” , ein Projekt von Vladimir Mitev.
20. September 2015:
Erste Botschaft an die Leser
In der Zeit der bulgarischen Wiedergeburt wurden die jungen Bulgar*innen erwachsen, wenn sie die Donau überquerten und sich nördlich davon niederließen. In Anlehnung an diese historische Tatsache recherchiere ich seit Jahren in und zu Rumänien. Ich überquere sowohl als Tourist als auch beruflich regelmäßig die sogenannte Brücke der Freundschaft, die beide Länder seit 1954 verbindet
Seit seit fast sieben Jahren arbeite ich als Journalist und konnte so einige der größten rumänischen Intellektuellen und Expert*innen für politische und soziale Fragen interviewen. In der Zwischenzeit habe ich Rumänisch gelernt, sodass ich die Menschen auch auf Rumänisch interviewen kann. Ich habe Freunde gefunden – Rumän*innen, die bereit sind, mich zu unterstützen, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen. Und ich betrachte die Annäherung unserer beiden Völker als ein wichtiges Anliegen.
Mir fällt bei meiner Arbeit immer wieder auf, dass Rumänien und die Rumän*innen vielen Bulgar*innen unbekannt sind. Die Beziehungen der Bulgar*innen zu den Serb*innen, Griech*innen oder Türk*innen scheinen viel weiter entwickelt zu sein. Auch die Rumän*innen wissen nicht viel über ihre südlichen Nachbarn, abgesehen von den Ferienorten am Schwarzen Meer oder im Pirin-Gebirge (der Wintersportort Bansko), wo sie im Sommer bzw. Winter gerne Urlaub machen
Ich möchte dazu beitragen, dass sich unsere beiden Länder besser kennenlernen. Deshalb übersetzte ich interessante Interviews und Artikel vom Rumänischen ins Bulgarische und umgekehrt und veröffentliche Originalartikel und Interviews. Ich hoffe, dass die Lesenden auf beiden Seiten der Donau mit der Zeit ihre Neugier auf die interessanten Menschen und Geschichten ihrer Nachbarn auf der anderen Seite des Flusses entwickeln werden. Ich hoffe auch, dass sich das ‚Duo Rumänien-Bulgarien‘ formiert und auf einer gedachten Autobahn zur Moderne beschleunigt
Der Name „movafaq“ könnte Glück bringen – auf Persisch bedeutet er „Erfolg“, „Einigkeit“, „Leistung“.
5. Februar 2021:
Die Bestätigung eines bulgarisch-rumänischen Blogs
Mehr als fünf Jahre nach der Gründung des Blogs muss seine Botschaft an die Lesenden aktualisiert werden. Der Blog war offensichtlich ein Erfolg. Er umfasst inzwischen mehr als 1000 Artikel in 9 Sprachen (Englisch, Deutsch, Polnisch, Italienisch, Persisch, Chinesisch, Kroatisch, Rumänisch, Bulgarisch), 150 Abonnent*innen auf WordPress oder per E-Mail und mehr als 1000 Follower*innen auf seiner Facebook-Seite. Als Herausgeber und Gründer wurde ich von den Medien in Bulgarien, Rumänien, Dänemark, Großbritannien, Polen und dem Iran zu Interviews über die Politik und Gesellschaft in Rumänien und Bulgarien eingeladen. Um den Blog herum hat sich eine Online- und Offline-Community gebildet, zu der bulgarisch-rumänische Übersetzer*innen, Wissenschaftler*innen und akademische Führungspersönlichkeiten, NGO-Expert*innen, Analyst*innen, Journalist*innen und ganz normale Menschen gehören, die sich durch die grenzüberschreitenden Beziehungen zwischen Bulgaren und Rumänen gestärkt fühlen.
Erfolge
Ohne Zweifel hat der Blog seit seinen bescheidenen Anfängen, als er nur zweisprachig war und eher so etwas wie ein Archiv für meine Artikel darstellte, eine große Wandlung durchgemacht. Er hat eine eigene Identität entwickelt, eine Reihe von interessanten Themen sowie Medienpartnerschaften (wie z. B. mit Arena Media in Rousse und The Urban Magazine in Varna, aber auch mit dem Bulgarischen Nationalradio, Bloomberg TV Bulgaria, The Barricade usw.) und Kooperationen mit Autor*innen und Aktivist*innen im bulgarisch-rumänischen Raum durchgeführt. Der Blog ist auf der Grundlage kritischer Reflexionen der politischen, sozialen und kulturellen Realitäten in seinen beiden Interessensgebieten – dem rumänischen und dem bulgarischen – gereift.
Es handelt sich um einen Blog, der gut dokumentierte und durchdachte Analysen zu den wichtigsten politischen Entwicklungen in Rumänien und Bulgarien bietet. Er hat die Arbeit bulgarischer Literaturübersetzer*innen rumänischer Literatur sowie die Leistungen des rumänischen Theaters und Kinos und ihre Zusammenarbeit mit bulgarischen Partner*innen gefördert. Es wurden eine Reihe von Interviews mit Historiker*innen aus Rumänien, der Republik Moldau und Bulgarien veröffentlicht und Artikel von ihnen über die moderne Geschichte der bulgarisch-rumänischen politischen Beziehungen neu aufgelegt. Es wurden sozial engagierte Artikel zu Themen wie Proteste, Gewerkschaften, Ungleichheit, das Steuersystem usw. veröffentlicht. Der Blog hat auch die P2P- und Graswurzelaktivitäten verschiedener Menschen im bulgarisch-rumänischen Raum gefördert, die als Aktivist*innen für engere menschliche Bindungen zwischen den beiden Nationen bezeichnet werden können. Der Blog hat auch darüber diskutiert, was bulgarisch-rumänischen Unternehmen wichtig ist, über die infrastrukturellen Verbindungen zwischen den beiden Ländern und über die Probleme, mit denen bulgarische und rumänische Fahrer konfrontiert sind, wenn sie im jeweils anderen Land Auto fahren.
Gründe für mehr Mut
Nach der Anerkennung all dieser Erfolge (im Sinne des persischen Zauberworts „movafaq“, das gleichzeitig „Erfolg“, „Einigkeit“ und „Leistung“ bedeutet) begann das Jahr 2021 für mich als Gründer und Redakteur des Blogs mit dem dringenden Bedürfnis nach einer Erneuerung des Blogs. In den letzten fast fünfeinhalb Jahren habe ich viel über die Einstellung im bulgarisch-rumänischen Raum gegenüber Menschen gelernt, die zwischen den großen nationalzentrierten Diskursen und Gruppen stehen. Ich habe sowohl Anerkennung als auch Misstrauen gespürt. Ich habe die Freundschaft und Herzlichkeit der Beziehungen genossen, als kulturelle und zwischenmenschliche Grenzen und Beschränkungen überwunden wurden. Ich habe auch gespürt, wie sich abgeschottete Räume bildeten und wie sorgfältig man sich vor „Eindringlingen“ von außen schützte. Ich habe den Wandel und den Widerstand dagegen in den bulgarisch-rumänischen Beziehungen buchstäblich am eigenen Leib gespürt.
Ich glaube, dass der Blog in der Öffentlichkeit in beiden Ländern und darüber hinaus jetzt viel bekannter ist. Und ich denke, dass der Blog in seinen journalistischen Bestrebungen, Botschaften und der Kommunikation mit der Öffentlichkeit selbstbewusster sein sollte. Auch die bulgarisch-rumänische Mischgemeinschaft rund um den Blog verdient ein höheres öffentliches Profil. Technologien, die die Medien und die sozialen Netzwerke revolutioniert haben – wie Live-Streaming, Webinare, Visualisierungen und Podcasts – müssen vom Blog mit größerer Entschlossenheit und mehr Mut genutzt werden. Dies sind einige der allgemeinen Leitlinien, nach denen ich die Entwicklung des Blogs ausrichte.
Barrieren sind veraltet
Die bulgarisch-rumänischen Beziehungen wurden durch die wahrgenommenen Unterschiede im kulturellen und politischen Grad der Offenheit gegenüber den russischsprachigen Gebieten belastet. Außerdem sind die ersten Begegnungen zwischen den Menschen der beiden Nationen durch Selbstgenügsamkeit und dem und dem unterstellten Missbrauch des Nachbarn gekennzeichnet.
Aber ich halte diese und andere Argumente für Ressentiments zwischen den Menschen für Ausreden und finde sie überholt. Ich suche nach Wegen, um Rumänen dazu zu bringen, Gefühle für ihre Nachbarn aus Bulgarien zu entwickeln, anstatt sie mit der üblichen Gleichgültigkeit und dem Gefühl der Überlegenheit zu behandeln. Gleichzeitig versuche ich Bulgar*innen dazu zu bringen, sich den nördlichen Nachbarn zu öffnen. Ich habe das Gefühl, dass in diesen beiden Ländern überholte und unwahre Vorstellungen und Geschichten über die Nachbar*innen kursieren. Selbst wenn es objektive Hindernisse bei den Kontakten gibt, sollten wir dann nicht auch die Kraft und den Willen haben, diese zu überwinden? Die Rolle des Staates in diesen Beziehungen beider Länder ist ebenfalls umstritten – wobei einige Lobbys in diesen Staaten miteinander konkurrieren, wer westlicher ist. Sie betrachten die bilateralen Beziehungen ausschließlich als Machtverhältnisse.
Trotz des Widerstands, der Skepsis und der Missachtung, die in den Köpfen der Menschen beider Länder tief verwurzelt sind, wird ein bulgarisch-rumänischer gemeinsamer Raum geschaffen. Es braucht Zeit. Doch die Bedingungen für die bulgarisch-rumänischen Beziehungen waren noch nie besser – beide Länder sind seit mehr als 14 Jahren in die NATO und die EU integriert.
Die Menschen müssen verstehen, dass ihr Nachbar kein Feind oder Stellvertreter des Feindes ist. Dieses Denken ist altmodisch. Unsere Bevölkerung muss sich befähigt fühlen, in der Lage zu sein, Veränderungen in ihrem Land und in der Region herbeizuführen und dazu beizutragen. Und grenzüberschreitende Beziehungen könnten ein Weg sein, dies zu erreichen. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Rumänen die Komplexität des Lebens als Bulgaren entdecken würden – als slawisch-orthodoxe Nation mit der größten muslimischen Minderheit in der EU, gemessen am Anteil an der Gesamtbevölkerung, die Teil des Westens ist. Und ich würde mich auch freuen, wenn meine bulgarischen Landsleute sich für die Rumänen engagieren würden, auch wenn einige der ersten Begegnungen vielleicht entmutigend sind. Ich bin der Meinung, dass Rumänien viel zu entdecken hat und dies für einen Bulgaren verständlich ist, sobald die anfängliche Mauer des Misstrauens überwunden ist. Ebenso kann Bulgarien viel interessanter und nicht so „klein“ und „arm“ sein, wenn man es mit Leidenschaft, Neugier oder Fantasie betrachtet.
Aktualisierung des Leitbildes und Vervielfachung der Blog-Brücken
Die Mission des Blogs ”Die Brücke der Freundschaft” bleibt also dieselbe – gegenseitiges Verständnis fördern, über die gemeinsamen Räume zwischen Bulgaren und Rumänen nachdenken, Interaktion und Zusammenarbeit fördern. Was sich in den letzten 5+ Jahren geändert haben könnte, ist, dass die Überzeugungen, die ich zu Beginn hatte, durch eine Reihe von Tests, Schocks und Verlusten, aber auch durch Anerkennung und Unterstützung gefestigt wurden.
Einen Großteil der letzten Jahre habe ich als Teil der grenzüberschreitenden Website „The Barricade“ verbracht, einer polnisch-rumänisch-bulgarischen progressiven Plattform, die sich auch für internationale Beziehungen interessiert. Vor zwei Jahren führten persönliche und berufliche Schwierigkeiten dazu, dass ich 2020 mit einer Doktorarbeit in Iranistik an der Universität Sofia begann. Das erste Jahr dieser Forschung ist erfolgreich abgeschlossen und eines der Ergebnisse ist die Einrichtung eines kleineren Bruders des bulgarisch-rumänischen Blogs mit dem Namen ”Die Persische Brücke der Freundschaft“ – ein Blog, der Bulgarien, Rumänien, den persischsprachigen Raum und den Rest verbindet.
So nimmt der Brückenbau als Online- und Offline-Aktivität noch kühnere Formen an, mit größerem Transformationspotenzial für jeden Reisend*innen. Es gibt Ergebnisse aus diesem neuen Unterfangen – mit der Zusammenarbeit mit iranischen Medien wie der Iranian Labour News Agency (ILNA) und der Mehr News Agency und Interviews über die bulgarische und rumänische Politik, die ich der ILNA gegeben habe. Mein jüngster Erfolg ist meine Mitgliedschaft im Zentrum für Nahost- und Mittelmeerstudien der Universität „Babeş-Bolyai“ in Cluj-Napoca, Rumänien. Derzeit führe ich Gespräche mit rumänischen Experten zum Iran, zu Afghanistan und den Nahen Osten, um für die “Persische Brücke der Freundschaft“ zu schreiben. Die Gespräche hierzu sind vielversprechend.
Abgesehen davon erwarte ich, dass 2021 ein weiteres Jahr der Aktivität für “Die Brücke der Freundschaft“ sein wird und ein weiteres Jahr, in dem der Austausch mit Rumänen und Bulgaren mir helfen wird, falsche Lehren aus der Vergangenheit zu überwinden. Einer der ersten Männer, die meinen Blog für sinnvoll hielten, sagte, es handele sich um einen iPod (pod bedeutet „Brücke“ auf Rumänisch), da meine Initiative zu persönlich, zu individuell sei. Ich denke, der Blog wird weiterhin von mir gestaltet, aber er ist seit langem ein Fenster zu einer Reihe von Menschen und Aktivitäten, die im Rahmen der bulgarisch-rumänischen Beziehungen stattfinden. Ich fühle mich dadurch gestärkt und hoffe, dass diese Stärkung von allen, die ihn gelesen oder mit ihm interagiert haben, gespürt wird.
Der Blog schätzt es, dass Sie immer wieder über die Brücke der Freundschaft gehen. Es ist eine Brücke, die dazu bestimmt ist, ihre Passagiere zu verändern und zu transformieren, ebenso wie sich selbst durch ihre Bewegung.
1. Mai 2023
Die Philosophie des Wandels in den bulgarisch-rumänischen Beziehungen: über die Brücke der Freundschaft zu einer dynamischen Identität
Einleitung
Im März 2023 wurden die bulgarisch-rumänischen Beziehungen von beiden Ländern in den Rang einer strategischen Partnerschaft erhoben. Und dies fiel in besonderer Weise mit meinem eigenen Eintritt in eine neue Phase meines sozialen und beruflichen Lebens im bulgarisch-rumänischen Raum zusammen. Meine Promotionszeit in moderner iranischer Literatur an der Universität Sofia endete mit der Disputation. Ich wurde Korrespondent für Bulgarien beim Radio Rumänien. Ich unterzeichnete einen neuen Vertrag als Redakteur der rumänischen Sektion von Radio Bulgarien, diesmal in Vollzeit.
So fanden Geschichten, die sich in den letzten Jahren langsam entwickelt hatten, einen Abschluss. Und mein Wunsch nach einer Überprüfung und einem Plan für zukünftige Aktionen nahm natürlich zu. Ich habe das Gefühl, dass die lange Zeit der Prüfung, der Angst und der Stagnation seit dem Tod meiner Mutter mir einige Erfahrungen und Konzepte vermittelt hat, durch die ich mich selbst und die Welt besser verstehen kann. Auch zur Frage, wie Veränderungen in uns geschehen.
In diesem Artikel werde ich die Hauptvektoren meiner Arbeit mit Schwerpunkt auf dem Blog “Die Brücke der Freundschaft” betrachten und versuchen, den Weg nach vorne zu definieren. Vielleicht klingt der Text manchmal wie ein Bericht/Zeugnis oder eine Art Auflösung. Ich stelle mir jedoch vor, dass dies der Weg sein könnte, um sowohl für die Leser des Blogs offen zu sein, als auch vielleicht eine bessere interne Organisation meiner Gedanken zu erreichen.
Die Menschen in Bulgarien und Rumänien stellen immer wieder die Frage, wenn jemand in den Medien arbeitet, insbesondere in Medien, die sich, wie ich hoffe, schwerer in die engen politischen Rahmenbedingungen der einen oder anderen Seite einordnen lassen: „Wer bezahlt?“ Ich entwickle meine Blogs als nichtkommerzielle, gemeinnützige Medien, gerade wegen dieses starken Stigmas, das unsere Gesellschaften auf Stimmen ausüben, mit denen sie nicht einverstanden sind.
In Bulgarien wird leider jeder Versuch einer neuen Initiative von der Basis von der Bulgarischen Sozialistischen Partei oder der Demokratischen Bulgarien vereinnahmt, sobald sie an Fahrt und an Bedeutung gewinnt. In Rumänien sprechen alle über die sogenannten Geheimdienste, und sie werden immer als aus dem gegnerischen Lager stammend dargestellt. Aber die Dienste sind per Definition überall, nicht nur im liberalen oder konservativen Lager.
Mit dieser kurzen Einführung hoffe ich, deutlich zu machen, warum es so viele Jahre lang schwierig war, bulgarisch-rumänische Medien mit einer eigenen Subjektivität zu entwickeln. Es gibt auch viele andere Gründe als politische, die dies erschweren. Es herrscht Misstrauen zwischen den Menschen, es gibt eine Krise in der journalistischen Branche, es herrscht Krieg zwischen den mächtigen, finanziellen und politischen Strukturen in der Ukraine, in der Region und in den USA. Und unsere Gesellschaften haben Schwierigkeiten, Konzepte und Erfahrungen zu entwickeln, um die Veränderungen zu verstehen.
Unter diesen Bedingungen betrachte ich es als Erfolg, dass ich meinen eigenen Weg gehe, dass ich meine eigenen Konzepte habe und hoffe, dass das, was ich tue, für alle nützlich ist.
Bulgarisch-rumänischer Blog
Am 19. September 2023 feiert der Blog “Die Brücke der Freundschaft” sein achtjähriges Bestehen. Nach den Änderungen – der Registrierung der Domain friendshipbridge.eu und der Umstellung auf die Verwendung von Plugins – ist er eine vollwertige grenzüberschreitende Plattform mit einem modernen Design, einer Präsenz in einer Reihe von sozialen Netzwerken und internationalen Partnerschaften.
Ich betrachte den Blog weiterhin als mein Online-Alter Ego, etwas, von dem ich lerne, das mir am Herzen liegt und mit dem ich wachse. Er umfasst derzeit 1500 Artikel in 10 Sprachen (Englisch, Rumänisch, Bulgarisch, Polnisch, Italienisch, Deutsch, Dänisch, Kroatisch, Chinesisch, Persisch). Auf Facebook hat es über 1775 Follower. Es hat 172 Follower auf Twitter, 201 Abonnenten seiner neuen Artikel per E-Mail und auf WordPress, 49 Abonnenten auf Substack.
“Die Brücke der Freundschaft” ist eines der wenigen bulgarischen Medien, das über die Aufwertung der bulgarisch-rumänischen Beziehungen zu einer strategischen Partnerschaft berichtet. Es ist auch ein Ort, an dem bulgarische und rumänische Expertise in internationalen Beziehungen aufeinandertreffen. Darüber hinaus werden Nischenthemen wie bulgarisch-rumänische Veranstaltungen zur Förderung grenzüberschreitender Beziehungen zwischen den Menschen behandelt, es gibt Veröffentlichungen über das kulturelle Leben in Bulgarien und Rumänien, über das Wirtschaftsmodell in beiden Ländern usw.
Zu den Partnern von “Die Brücke der Freundschaft” gehören das rumänische Medium „Press Hub“, das von Freedom House România herausgegeben wird, das in Polen ansässige Medium „Cross-Border Talks“, das von der Naprzod Foundation herausgegeben wird, und einige bulgarische Medien, mit denen es eine Praxis des gegenseitigen Abdruckens von Artikeln gibt, wie das in Ruse ansässige Medium „Arena Media“ und die in Varna ansässige Kulturwebsite „Urban Magazine“.
Im Oktober 2022 nahm ich an einer Konferenz unabhängiger Künstler*innen und Aktivist*innen in Frankfurt an der Oder und in Slubice teil, die eine Gemeinschaft von Partnerstädten in der EU schuf, die durch eine europäische Grenze getrennt sind. In diesem Jahr unterstützte der Blog eine Forscherin aus Rumänien und eine Journalistin aus Polen, die die grenzüberschreitenden Realitäten in der Region Ruse-Giurgiu und die Besonderheiten des politischen und sozialen Lebens in Bulgarien untersuchten.
Das Feedback einiger führender Rumänienexperten der älteren Generation in Bulgarien bestätigt den Eindruck, dass “Die Brücke der Freundschaft” tatsächlich zu einigen positiven Veränderungen in den bulgarisch-rumänischen Beziehungen und in der Art und Weise, wie jede der beiden Nationen über die andere denkt, geführt haben könnte. Andererseits betrachte ich die Einladung von Radio Romania, als Korrespondent für Bulgarien zu arbeiten, als Zeichen des Vertrauens und der Anerkennung, dass ich auch aus rumänischer Sicht eine positive Rolle in den Beziehungen spiele. Es scheint, als würde der Blog tatsächlich als Brücke dienen. Und das ist gut so, denn beide Länder denken zu sehr in national zentrierten Begriffen und Teile ihrer Bevölkerung bleiben unnötig zurückhaltend und misstrauisch, wenn es um den Umgang mit den Nachbarn auf der anderen Seite des Flusses geht. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass viel mehr Menschen, Güter und Ideen die Brücke überqueren müssen, damit sich die bulgarisch-rumänische dynamische Identität entwickeln kann.
Philosophie der bulgarisch-rumänischen und regionalen Beziehungen
Die Erwähnung des Wortes „Philosophie“ und Versuche, abstrakte Gespräche zu führen, rufen in Bulgarien oft Abneigung, Verwirrung oder Spott hervor. Bulgaren sind Menschen, die unmittelbare Erfahrungen machen. Sie arbeiten mit dem, was sie schmecken, berühren, verdauen können und was einen Kontext hat. Eine der Schwierigkeiten bei der Integration Bulgariens in die EU ist genau der Unterschied zwischen westeuropäischen Gesellschaften, die auf Konzepten wie der „sozialen Konstruktion der Realität“ basieren, und der spezifischen bulgarischen Peripherie, die von den Bai Ganyos geprägt ist, die alle komplexen Ideen von Veränderung auf Konsumgewohnheiten reduzieren, auf das sogenannte „Festmahl bringen und abräumen“ (vkarvane i izkarvane na praznika – ein Ausdruck, der im Bulgarischen auch eine sexuelle Konnotation haben könnte).
Eine weitere Besonderheit Bulgariens ist meiner Meinung nach die sogenannte statische Identität. Dies ist die soziale Rolle des Einzelnen, die durch das Trauma der bulgarischen Sozialisation geprägt ist und keine Weiterentwicklung im Laufe der Jahre zulässt. Wenn man einmal einen Artikel in Duma, der Zeitung der Bulgarischen Sozialistischen Partei, veröffentlicht hat, ist man ein Kommunist fürs Leben. Wenn man eine Beziehung mit dem Roten Haus für Kultur und Debatten oder dem Zentrum für liberale Strategien hatte, ist man ein Soros-Anhänger. Entweder ist man eines von “Captain Grants Kindern” (d. h. man nimmt Geld/Grants von westlichen Stiftungen an) oder man ist ein Vatnik, ein Russist usw., weil man die Nationalflagge zur Schau stellt und sich die Podcasts verschiedener lokaler Kritiker des Westens anhört. Dementsprechend dominieren die beiden großen Tendenzen in der bulgarischen Gesellschaft – die sogenannten neuen und die sogenannten alten Dienste, die sogenannten “Sorosoiden” (Sorosist*innen) und die sogenannten Orbanist*innen, die sogenannten Trumpist*innen und die sogenannten Bidenisten gegenseitig und kämpfen vor dem Hintergrund der demografischen Krise und der Statistik, dass die Bulgaren das ärmste, korrupteste und unglücklichste Volk in der EU oder sogar weltweit sind, um Gerechtigkeit.
Wir sind uns nicht bewusst, dass wir, sobald wir eine statische Identität verinnerlicht haben, auch das Trauma verinnerlicht haben. Anstatt uns zu bemühen, es zu überwinden, reproduzieren wir es unser Leben lang, zwingen es anderen auf und durchleben es immer wieder aufs Neue. So wird das Leben zu einer Anhäufung von Macht. Wir glauben, dass wir jemanden oder etwas beherrschen und vergangenes Unrecht wiedergutmachen, aber in Wirklichkeit beherrschen uns unser Trauma und unsere statische Identität durch unseren Akt der Beherrschung des anderen. Und je mehr Macht die verschiedenen Tendenzen in der bulgarischen Gesellschaft über uns als Individuen ansammeln, desto mehr bleiben wir in den übrigen europäischen Ländern isoliert und unverstanden. Im Gegenzug scheinen ihre Vertreter nur so lange an uns interessiert zu sein, bis sie festgelegt haben, wer in unserer Politik die Guten und wer die Bösen sind, sodass die mögliche Einbeziehung von Außenstehenden nichts an ihren Eigenschaften ändert. Ausländische Interessen scheinen nicht daran interessiert zu sein, die gesamte Gesellschaft zu fördern, sondern sie tauchen in unsere Widersprüche ein und nehmen an unserer Kultur des Scheiterns teil.
Der Blog “Die Brücke der Freundschaft” ist der Meinung, dass das Problem Bulgariens weder „der Westen“ noch „der Osten“ ist, sondern unsere statische Identität, unsere Unfähigkeit, die Bewegung in den Weltgeist zu integrieren und sie für unsere Gesellschaft nutzbar zu machen. Anstatt das Denken zu entwickeln, das für das Zentrum des Weltsystems charakteristisch ist, ein Denken, das durch Selbstkritik, Reflexivität, Transformation, Inklusivität usw. gekennzeichnet ist, ziehen wir es vor, uns dem einen oder anderen großen imperialen Bruder unterzuordnen und dessen Subunternehmer*innen im Land und in der Region zu sein, wobei wir uns gegenseitig mit anderen kleinen Brüdern anderer großer Brüder dominieren und traumatisieren. Daher kann unsere Region einfach nicht aus ihrer selbst auferlegten, untergeordneten und abhängigen statischen Identität herauswachsen.
Was ist dann der Wandel in Südosteuropa?
Für mich zumindest ist Wandel keine Aktion gegen irgendjemanden, sondern eine Öffnung für alle, die Erfahrungen und Energie aus der ganzen Welt und all ihren Regionen und Widersprüchen schöpfen kann. Es ist kein Kampf um die Vorherrschaft mit dem Feind. Es ist eine schmerzhafte innere Transformation, bei der die Ressourcen der statischen Identität allmählich verschwinden und schließlich das lebendige Selbst dahinter, unser authentisches Selbst, seine Hülle durchbricht und ein wahres Subjekt geboren wird. Die Veränderung besteht nicht darin, Kiril Petkov oder Kostadin Kostadinov gegen den anderen zu wählen, sondern die statische Identität durch eine dynamische zu ersetzen. Und das nicht nur innerhalb ihrer Grenzen. Denn in dem Moment, in dem die statische Identität in unserem Selbst verschwindet, verschwindet sie auch in unseren Beziehungen zu unseren Mitbürger*innen. Wir werden sie nicht als „Geschlechter“ (ein abwertender Begriff, der von konservativen Kräften gegen liberale, feministische und LGBT-Kreise verwendet wird) oder Putinisten sehen, sondern ihr wahres Selbst, das sich hinter einer bestimmten Rhetorik verbirgt. Und indem wir diese koloniale Konstruktion der statischen Identität ablehnen, werden wir Teil der Welt und bringen Bulgarien näher an seinen rechtmäßigen Platz in der EU und in der Welt.
Mit anderen Worten: Veränderung ist eine Erweiterung unseres individuellen und Gruppenbewusstseins, sodass wir die Widersprüche der Welt verinnerlichen und daraus lernen und unser Potenzial steigern können. Sobald diese Erweiterung erreicht ist, sind die lokalen und nationalen Machtzentren gezwungen, uns ausgefeiltere Produkte ihrer Funktion anzubieten. Macht entsteht also nicht dadurch, dass wir sie an uns reißen und unsere eigenen Traumata und wirtschaftlichen Interessen als Norm durchsetzen, sondern dadurch, dass wir so tun, als gäbe es sie nicht und auch ohne ihre Vermittlung wachsen. Nachdem unser unabhängiges Wachstum stattgefunden hat, hat die Macht ihrerseits keine andere Wahl, als selbst zu wachsen, denn wenn sie ihre Lektion nicht lernt, wird sie an den Rand gedrängt.
Wie kann das geschehen?
Die Brücke der Freundschaft versucht dies durch die dynamische Identität zwischen Bulgaren und Rumänen zu erreichen. Mit anderen Worten: Der statischen Identität eines Bewohners Südosteuropas wird ein dynamisches Element hinzugefügt – das dynamische Element ist die bulgarische oder rumänische Gesellschaft, die Erfahrung, d. h. Energie, erzeugt. Das Verständnis dieses dynamischen Elements führt zur Verinnerlichung der Energie, was zu einer anhaltenden persönlichen Transformation führt. Letztendlich ermöglicht die Präsenz einer Realität jenseits der Grenzen des nationalen Traumas die Entwicklung einer Erfahrung, die nicht durch das Trauma selbst belastet ist. Und es beginnt, seine Lebenskräfte zu verlieren, weil sie in den nicht traumatisierten Teil der Persönlichkeit fließen. Zeit, Ausdauer und intrinsische Motivation sind der Schlüssel zum Erfolg dieses Aufbrechens der Schale. Wenn die leblose Überkonstruktion demontiert ist, kann die Geburt eines internationalisierten Bewusstseins beobachtet werden. Und der Ansatz, mit dem diese dynamische Identitätsbildung stattfindet, wird als „Brücke der Freundschaft“ bezeichnet.
Brücken der Freundschaft können Menschen und Organisationen sein, denen an den beiden Ufern, die sie verbinden, vertraut wird. Die Brücke der Freundschaft ermöglicht den Fluss von Erfahrung und Energie, ermöglicht gegenseitiges Kennenlernen und die Dynamisierung von Beziehungen in einer Situation, in der beiden Seiten klar ist, dass keine Seite ihre nationalen Interessen opfern wird, um die Bestrebungen der anderen Seite zu verwirklichen. Das heißt, die Brücke der Freundschaft ist ein Schritt in Richtung dessen, was Johan Galtung als positiven Frieden bezeichnet, nicht nur die Abwesenheit von Krieg (negativer Frieden), sondern eine Beziehung, in der sich Zusammenarbeit und Vertrauen zwischen Staaten, Gemeinschaften oder Menschen entfalten, die traditionell auf der Seite des jeweils anderen stehen.
Bulgarien und Rumänien haben Probleme, die sie seit mehr als einem Jahrhundert nicht lösen können. Anstatt sich über das Scheitern bei der Suche nach einer gemeinsamen Basis zu frustrieren, könnten sie nach positiven Veränderungen suchen, die eintreten könnten. Hier kommen Brücken der Freundschaft ins Spiel, die Mittel für schrittweise Veränderungen in einer trägen Umgebung mit gleichgültigen Einstellungen.
Eine Studie über die rumänische Außenpolitik und die bulgarisch-rumänischen Beziehungen
Ich entwickle diese Ideen, wenn auch in einer einfacheren Form, in einer Studie über die rumänische Außenpolitik und die bulgarisch-rumänischen Beziehungen, die das bulgarische diplomatische Institut voraussichtlich im Mai 2023 veröffentlichen wird. Bulgarien und Rumänien denken zu oft nationalistisch über ihre Nachbarn und die Regionalpolitik. Das bedeutet auch, dass sie sich auf Hegemonie verlassen, auf die Anhäufung von Macht durch statische Identität, anstatt eine Transformation in ihren Beziehung*innen anzustreben.
Eine statische Identität ist jedoch starr, vorhersehbar und unfruchtbar. Sie kann nicht über ihre Grenzen hinauswachsen. Daher wäre es enttäuschend, wenn die beiden Länder aus ihrer EU-Mitgliedschaft nur gelernt hätten, sich in der Region als Hegemonen zu verhalten. In gewisser Weise impliziert eine Innenpolitik, die auf gegenseitiger Beherrschung und Machtanhäufung basiert, jedoch eine Außenpolitik, die auf denselben Prinzipien beruht. Es ist daher interessant, inwieweit nicht Politiker und Diplomaten, sondern „normale“ Menschen durch ihren eigenen Kampf um Veränderung zum Subjekt internationaler Beziehungen werden können. Staatliche Akteure und Eliten sind zu sehr von ihrer Wahrnehmung nationaler Interessen und der Hierarchie, in der sie sich befinden, abhängig, um viel aus ihren Beziehungen in der Region lernen zu können. Für normale Menschen, die frei von starren Vorstellungen von nationalen Interessen sind, scheinen die Möglichkeiten für Veränderungen grenzenlos zu sein. Ihre ersten Schritte sind wahrscheinlich die schwierigsten, und lange Zeit wird kein Ergebnis ihrer Aktivitäten sichtbar sein, während ihnen vorgeworfen wird, dass hinter ihren Bemühungen, eine gemeinsame Basis zu schaffen, eine feindliche statische Identität steht. Wobei diese Vorwürfe wahrscheinlich von beiden oder allen Seiten kommen (können). Aber während sich der Prozess der internen Transformation entfaltet, wird sich auch extern ein Wandel vollziehen. Und genau diese Bemühungen sind für The Bridge of Friendship von Interesse.
Grenzüberschreitende Gespräche
Meine Erfahrungen mit Bulgarien und Rumänien zeigen, dass Missverständnisse selbst dann entstehen können, wenn man die besten Absichten hat. Manche Menschen, die von der Logik einer statischen Identität besessen sind oder einfach aus Gleichgültigkeit oder mangelnder Vorstellungskraft, könnten beispielsweise zu dem Schluss kommen, dass die „Brücke der Freundschaft“ oder die „dynamische Identität“ eine oberflächliche Manipulation ihres Gegners ist. Dann liegt es nahe, dass sie das Potenzial dieser Konzepte und Ansätze nicht erkennen. Daher scheint mir die bulgarisch-rumänische dynamische Identität eher entwicklungsfähig zu sein, wenn die Menschen, die dieses Zusammenleben auf der Grundlage von Dialog und gegenseitigem Respekt entwickeln wollen, Verbindungen in mehrere Richtungen aufbauen. Eine der Initiativen, die mir dabei hilft, eine zusätzliche Dynamik zu entwickeln, sind die in Polen ansässigen Medien Cross-Border Talks.
Cross-Border Talks gibt es seit 2021 und ist ein gemeinsames Projekt der polnischen Journalistin Malgorzata Kulbaczewska-Figat, der tschechischen Journalistin Veronika Sushova-Salminen und mir. Cross Border Talks ist eine Website in fünf Sprachen (Englisch, Polnisch, Tschechisch, Rumänisch und Bulgarisch), ein YouTube-Podcast und ein Substack-Newsletter, die sich mit internationaler Politik und sozialen Themen wie Migration, Arbeitsfragen und sozialem Wandel befassen. Die Medien konzentrieren sich auf Themen aus der Region Mittel- und Südosteuropa, einschließlich des westlichen Balkans und des postsowjetischen Raums. Sie versuchen, ein Verständnis für die grenzüberschreitende Kultur in der EU, den grünen Wandel und Streiks in Westeuropa zu entwickeln. Es wird auch ein Blick auf die Geschehnisse im Nahen Osten geworfen – in Ländern wie dem Iran, dem Irak und Israel.
Für mich ist einer der Vorteile dieser journalistischen Partnerschaft die Möglichkeit, von Kollegen zu lernen, die viel reisen, viele Sprachen sprechen und als internationale Journalisten tätig sind. Darüber hinaus erfahre ich durch die Cross-border Talks von vielen Ereignissen in der Region und auf der ganzen Welt, über die die Medien in Bulgarien und sogar Rumänien nicht berichten. Cross-border Talks ist also ein Versuch, schrittweise eine dynamische Identität in einem größeren Raum mit mehr Stimmen aufzubauen. Sie sind angelegt als eine weitere langfristige Initiative.
Einige der führenden rumänischen und bulgarischen Experten und Aktivisten für internationale Beziehungen waren Gäste bei den Cross-Border Talks. Und es wäre großartig, wenn dieses Medium innerhalb seiner Grenzen die Rolle einer Brücke zwischen Westeuropa und dem östlichen Teil der EU, zwischen Mittel- und Südosteuropa und zwischen der EU und dem globalen Süden spielen könnte. Die Partnerschaft von Cross-Border Talks mit dem europäischen progressiven Netzwerk transform! europe kann in dieser Richtung helfen.
Die persische Brücke der Freundschaft
Ein interessantes Fallbeispiel für die Anwendung der Brücke der Freundschaft und der dynamischen Identität ist die Beziehung zwischen Südosteuropa und der persischen Welt, insbesondere dem Iran. Der Iran ist ein sehr spezielles Land, das der Außenwelt traditionell mit Vorsicht und sogar Misstrauen begegnet. Wie kann eine dynamische Identität mit dem Iran geschaffen werden, wenn alles heikel ist und jede Bewegung als schädlich angesehen werden könnte?
Trotz der Schwierigkeiten denke ich, dass eine dynamische Identität mit dem Iran möglich ist, auch ohne dorthin zu gehen – wenn wir zum Beispiel einige der iranischen Traumata haben. Eine Möglichkeit, die iranischen Traumata kennenzulernen, könnte in einem Gebiet versucht werden, das mildere und moderatere Maßnahmen zulässt. In meinem Fall scheinen Literatur und Philosophie zumindest auf den ersten Blick Wissensräume zu sein, die eine etwas leichtere Bewegung ermöglichen, ohne Minen auszulösen.
Dies sollte wiederum durch interne Dynamik geschehen. Denn, wenn wir nicht authentisch sind und nicht zutiefst von der Notwendigkeit unseres Handelns in Bezug auf den Iran überzeugt sind, kann es entweder nicht beeindrucken oder nach der Konfrontation mit Widerstand zu Enttäuschung führen. Ich habe das Gefühl, dass der Iran eine Gesellschaft der Intensität ist – Intensität sowohl in Freundlichkeit als auch in Grausamkeit. Vielleicht sollten wir also nicht so sehr darauf abzielen, die iranische Intensität innerhalb oder außerhalb des Iran zu erreichen. Wenn wir unsere eigene Intensität haben, könnten wir uns vielmehr bemühen, sie zu verstehen und den Elementen Namen zu geben. Und während wir in dieser Hinsicht Fortschritte machen, liegt es an den Iranern, zu entscheiden, ob sie Interesse zeigen und sich mit der einen oder anderen Person auseinandersetzen.
Für mich als Redakteur des bulgarisch-rumänisch-persischen Blogs ”Die Persische Brücke der Freundschaft“ ist es wichtiger, wie man eine Brücke der Freundschaft mit der persischen Welt innerhalb einer Region bauen kann, in der der Iran zutiefst unbeliebt ist, Afghanistan mit jahrzehntelangem Krieg in Verbindung gebracht wird, Tadschikistan völlig unbekannt ist und Migranten aus dem Nahen Osten negativ wahrgenommen werden. Was muss geschehen, damit eine Person, ein Medium oder eine Organisation als authentisches Bindeglied zwischen verschiedenen Räumen, als jemand Unbewaffnetes, als jemand, der in Frieden kommt, akzeptiert wird? Ist es wirklich möglich, mit dieser Welt auf Augenhöhe zu kommunizieren, wenn unsere Realitäten unterschiedlich sind? Rumänien und Bulgarien haben international gesehen so ziemlich den gleichen Status wie Länder und gehören zu denselben internationalen Integrationsgruppen. Aber der Iran ist eine Welt für sich. In der Umgebung des Iran sind Hegemonie und Gegenhegemonie auf einem hohen Niveau, zumindest für jemanden, der in relativ entmilitarisierten Gesellschaften aufgewachsen ist. Wie kann also diese Firewall aus Sicherheit, Misstrauen und Unerfahrenheit überwunden werden, damit ein echtes Treffen auf Augenhöhe stattfinden kann?
Im Moment habe ich keine Antwort auf meine Fragen. Ich habe nur ein paar Ideen, die vielleicht helfen könnten. Eine davon ist, dass dynamische Identität meiner Meinung nach ein Konzept ist, das als iranisch durchgehen kann oder iranische Dimensionen haben kann. Der iranische Außenminister Hossein Amir-Abdollahian selbst verwendet gerne das Wort „dynamisch“, um ein Verständnis der Welt der iranischen Diplomatie zu bezeichnen, das aktiv, engagiert und in ständiger Entwicklung begriffen ist. Die iranische Gesellschaft ist auch mit dem Begriff „dynamische Rechtsprechung“ vertraut, der auch die Fähigkeit religiöser Autoritäten bezeichnet, eine Rechtsprechung zu haben, die sich im Laufe der Zeit auf der Grundlage sich verändernder sozialer Realitäten weiterentwickelt.
Ein Hindernis für die Beziehungen zum Iran ist jedoch die übermäßige Sicherheitsorientierung. Es ist zu viel, von einem Durchschnittsbürger in Bulgarien oder Rumänien zu verlangen, die notwendige Denkweise und Erfahrung zu entwickeln, um sich in einer Welt zurechtzufinden, in der jeder beobachtet und verdächtigt wird. Und selbst wenn er aus irgendeinem Grund solche Fähigkeiten und Erkenntnisse entwickelt, wird seine Rolle dann anerkannt und angemessen darauf reagiert werden können? Wird er/sie einen gleichberechtigten Ansprechpartner haben?
Offensichtlich gibt es für die ”Die Persische Brücke der Freundschaft“ in Bulgarien und Rumänien eine Rolle zu spielen – eine Erfahrung zu formulieren, die es gewöhnlichen Menschen in Südosteuropa ermöglichen könnte, mit Iranern in einen sinnvollen Austausch zu treten, wenn gewöhnliche Iraner zu Besuch kommen. Denn wenn internationale Beziehungen nicht von Menschen bestimmt und getragen werden, bleiben sie zu staatsorientiert und in ihrem Umfang begrenzt.
In dieser Hinsicht haben Bulgarien und Rumänien noch viel Arbeit vor sich. Und es sollten keine großen Erwartungen an den Fortschritt gestellt werden. Ich denke jedoch, dass die Dynamisierung der bulgarisch-rumänischen Beziehungen und der Beziehungen im Allgemeinen in unserer Region zu Situationen führen kann, in denen Bulgar*innen, Rumän*innen, Polen*innen oder andere gemeinsam erreichen können, was sie einzeln wenig erreichen können. Und meine persönlichen Pläne beziehen sich auf einige Einzelinitiativen, die auf meinen verschiedenen Online-Freundschaften mit Iranern aus dem Iran und der westlichen Welt basieren. Vielleicht könnte ich ein kleines Buch über Literaturtheorie übersetzen, das von einem iranischen Übersetzer von James Joyce und der US-amerikanischen Beat-Generation geschrieben wurde. Vielleicht könnte ich eine Veranstaltung mit einer iranischen feministischen Schriftstellerin organisieren. Oder ich könnte einen etablierten Experten für internationale Beziehungen interviewen, der in Teheran lebt und unter dem Schah Diplomat war. Ich verlasse mich auch auf meine Interaktion mit dem Direktor des iranischen Kulturzentrums in Sofia, der Inhalte mit der Facebook-Seite der Website „Persian Bridge of Friendship“ teilt.
Der Weg nach vorne
Stellen wir uns für einen Moment vor, dass die dynamischen Identitäten aus diesem Text tatsächlich existieren – bulgarisch-rumänisch, zentral-südosteuropäisch, EU-iranisch usw. Was kommt als Nächstes? Würde es nicht irgendwann zu einer Rückkehr zur Logik des Traumas und der Anhäufung von Macht kommen, wenn auch von einer anderen Position aus, da dies die Logik unserer kapitalistischen und militarisierten Welt ist – Macht, Herrschaft, Hegemonie?
Bei der iranischen Revolution von 1979 ging es unter anderem um die Beseitigung von Traumata und die Entwicklung der Fähigkeit, vollständig und frei zu fühlen und zu leben. Ähnlich lautete auch der Slogan der feministischen Revolution von 2022, die das Leben, die Freiheit und die Macht der Frauen bekräftigte. Aber herrscht nicht immer das Trauma vor und ist nicht jede Revolution zum Scheitern verurteilt?
Nun, wenn der Reichtum des Lebens – emotional, intellektuell, sinnlich – wiederhergestellt wird, sollte der Prozess der Revitalisierung meines Erachtens fortgesetzt werden. Es gibt unendlich viele unterschiedliche Realitäten, wenn wir uns mit dem Menschen und der Gesellschaft befassen. Ich suche nicht nach einem Sättigungspunkt. Vielmehr hoffe ich, dass der Prozess der Revitalisierung länger anhält. Je länger er dauert, desto mehr Erfahrung und Energie werden verinnerlicht.
Die bulgarische Gesellschaft macht alles mit jedem in alle Richtungen und zu jeder Zeit. In ähnlicher Weise möchte ich alle Projekte in der Zeit, die mir nach Erfüllung meiner Verpflichtungen gegenüber Radio Bulgarien und Radio Rumänien zur Verfügung steht, weiterentwickeln. Zum ersten Mal seit Jahren stelle ich fest, dass ich in schwierigen Zeiten im Allgemeinen richtige Entscheidungen getroffen habe. Ich denke, dass meine Prinzipien und Konzepte gültig sind und Früchte tragen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit Bulgaren, Rumänen und alle anderen ihr Interesse an dem, was ich tue, erkennen werden. Und natürlich freue ich mich darauf, aus den Erfahrungen zu lernen, die die Brücke der Freundschaft und meine dynamischen Identitäten bieten. Diese Erfahrung sollte auch sehr konkrete Ausprägungen und sichtbare Ergebnisse (ein bulgarischer politischer Begriff :)) in meinem beruflichen und persönlichen Leben haben.
Ich werde weiterhin fragen, was genau die bulgarisch-rumänische strategische Partnerschaft bedeutet. Ich werde mich über die Entwicklung unserer Region – der Ostflanke der NATO – informieren. Ich werde mich bemühen, mehr zu reisen und mich öfter dem kulturellen und sozialen Leben in Rumänien und der Region widmen. Und ich werde weiterhin die Theorie der dynamischen Identität erforschen und weiterentwickeln, die viele Menschen nur auf grafische Bilder reduzieren. Für mich ist dynamische Identität auch eine Schule. Und vielleicht können wir uns selbst besser verstehen, wenn wir sie und ihre Auswirkungen genauer betrachten.
Coda – ein Wunsch für den Frühling:
Möge es grenzüberschreitende Gespräche zwischen unseren zahlreichen Identitäten geben und mögen wir alle unsere Brücken der Freundschaft bauen!
